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Geschichte

Zu Beginn der 1960er Jahre erfolgten Bestrebungen, eine zusätzliche vierte Grazer Cartellverbandsverbindung zu gründen, wobei die Basis ein aus den drei Grazer CV-Verbindungen gegründeter Arbeitskreis war. Ein Hauptgrund für die Gründung war wohl, dass die drei bestehenden Verbindungen über eine jeweils so große Aktivitas verfügten, dass der Gründung einer vierten Grazer CV-Verbindung aus personeller Sicht nichts im Wege stand. Ein weiterer Grund für die Gründung einer vierten Cartellverbandsverbindung liegt wohl unterschwellig auch darin, dass die national-freiheitlichen Verbindungen nach 1950 wieder Zulauf erhielten. Die Idee zur endgültigen Gründung der Verbindung entstand aber nicht in Graz, sondern 1960 bei der Ortsverbändetagung in Innsbruck.

In der Grazer-Cartell-Verbands-Ausschusssitzung (GCV) am 27.2.1961 wurde der Beschluss gefasst, einen „Arbeitskreis zur Gründung einer vierten GCV–Verbindung“ einzurichten. Dieser Arbeitskreis tagte am 1.3.1961 erstmals, wobei jeweils drei Vertreter der drei GCV–Verbindungen stimmberechtigt waren. Mitarbeiter dieses Arbeitskreises waren: Nikolaus Kotzbeck (Cl) als gewählter Vorsitzender, Hermann Knoflach (Trn) als Kassier, Siegfried Trattner (Cl) als Protokollführer, Richard Ott (BbG) als Schriftführer und Germar Unterlechner (Cl) als stellvertretender Vorsitzender. Weitere Mitglieder des Ausschusses waren: Kurt Kranich (Trn), Josef Koren (Trn), Heinz Kolbeck (Cl), Josef Amerer (BbG) und Franz Nunner (BbG).

Der GCV schrieb damals der Verbandsführung über die beabsichtigte Gründung im Jahre 1961: „Seitens der bestehenden Verbindungen wurden jeweils 2 Gründungsburschen abgestellt, wobei diese Gründungsburschen hinsichtlich Ihres Studienfortschritts nicht mehr als 2 Semester hinter dem Studienplan liegen durften“. Als Gründungsburschen sind zu nennen: Hermann Knoflach, Josef Koren, Gustav Moczygemba, Franz Nunner, Hans Pfeifer, Peter Rauschenberger, Siegfried Trattner und Germar Unterlechner.

Die ersten Monate waren gekennzeichnet vom organisatorischen Aufbau über Findung eines Namens, wobei die Auswahl recht groß war, wie die noch überlieferten Namen Albertina, Augustina, Avaria, Cimbria, Grätz, Keltia, Noreia, Schwarzenberg, aber auch Waldmark sowie Ostaricia  zeigen. Die Findung des endgültigen Namens Albertina (benannt nach Albertus Magnus, Begründer der christlichen Aristotelik, die ein Vorläufer der modernen Naturwissenschaften ist) erfolgte wohl mit Unterstützung des bekannten Grazer CVers und Kirchengeschichtsprofessors Dr. Maximilian Liebmann (Cl). Die weiteren Aufgaben des Arbeitskreises waren nun geeignete Räumlichkeiten für eine Bude zu suchen, Füxe zu keilen, sowie einen Wahlspruch, Zirkel, Farben und eine Mütze festzulegen.

Farbe und Mützenart waren schnell gefunden. Die Farbbedeutung: Grün/Weiß: Steiermark, Rot/Weiß: Österreich.

Am 18.04.1961 fand der Gründungs-BC statt. Die Versuche, eine Bude zu finden, waren von Schwierigkeiten gekennzeichnet. So wurde unter anderem versucht, mittels Inserat ein Leibrentenhaus zu erwerben, bzw. eine Bleibe im Kolpinghaus zu finden. Beide Bestrebungen scheiterten jedoch. Auch Zimmer auf dem Haus der K.Ö.H.V. Carolina zu mieten scheiterten am Widerstand der Carolina. Die Bude wurde Anfang Mai 1961 im Dachgeschoß des Hotels "Dreihacken" untergebracht.

Am 03.06.1961 wurde die K.Ö.A.V. Albertina als freie Verbindung in den CV aufgenommen, was seit damals als unser Gründungsdatum angegeben wird. Seit 1964 ist sie Vollmitglied im ÖCV und bereits im Jahr 1964/65 fungierten die Alberten zum ersten Mal als Vorsitz im Grazer Verband.

Der Geist der 68er-Jahre ging auch an Albertina nicht spurlos vorüber und so wurde im SS 1968 die Bude etwas hergerichtet und erweitert, wobei  aus dem Kneipraum ein zweiter Aufenthaltsraum geschaffen wurde. Die Fuxenausbildung änderte sich dahingehend, dass am FC keine Lieder und Comment mehr gelehrt wurden, denn man fand es war wichtiger die Füxe über Hochschulpolitik und über aktuelle Ereignisse der Gegenwart zu informieren. Durch Abhaltung verschiedener Referate über das Weltgeschehen und Diskussionen sollten die Füxe lernen, Standpunkte zu beziehen. Auch sollten die Füxe zukünftig keinen Leibburschen mehr wählen. Sowohl hinsichtlich des Tragens der Farben in der Öffentlichkeit als auch der Abschaffung des Bummels an den Universitäten gab es Diskussionen, wobei der Bummel, ebenso wie das Dechargierungskalkül, abgeschafft wurde. Der GCV wurde in diesen Semestern nun schon zum zweiten Mal von Albertina gestellt, was auch betreffend des Stiftungsfestes zu neuem Geist auf der Bude führte, so gab es keinen Festkommers, sondern ein „Budeneröffnungskränzchen“.

Die Jahre 1970 bis 1980 waren geprägt von den nicht nur auf den Universitäten und Hochschulen seit 1968 beginnenden, dramatischen Wendungen und Umwälzungen. Die Anzahl der Hörerinnen und Hörer an den Universitäten nahm massiv zu, mit der Universitätsreform 1975 kam es zur Abschaffung der Ordinarienuniversität und der Einführung des umfassenden Mitbestimmungsrechts des akademischen Mittelbaus und der Studierenden.

Es war das Jahrzehnt der Selbstfindung und wohl auch der Neuausrichtung für die Albertina gewesen. Durch die massive Zunahme der Hörerinnen und Hörer in den 1970er Jahren wurden die Studentenverbindungen an den Grazer Hochschulen, gemessen am Verhältnis der Aktiven zu den gesamten Studierenden, nahezu marginalisiert. Auch war über die ganzen zehn Jahre immer wieder das Problem virulent, dass trotz recht zahlreicher Rezeptionen viele vielversprechende Füxe nicht für die Verbindung begeistert werden konnten und die Albertina wieder verließen.

Das Problem bestand lange Zeit darin, dass sämtliche Burschen eine Funktion, unter anderem in den Jahren 1981/82 im dritten GCV-Vorsitz, inne hatten, und so bei Veranstaltungen, bei denen Keilgelegenheiten bestanden hätte, keine Zeit dazu hatten, sich mit den Keilfähigen entsprechend zu beschäftigen. Mehrfachfunktionen und oftmalige Chargentätigkeiten waren die Folgen dieser Entwicklungen und führten bei einigen Bundesbrüdern zwangsläufig zur Ermüdung bzw. überhaupt Resignation. Die Albertina verdankte damals in erster Linie e.v. K.Ö.St.V. Babenberg Graz, mit welcher bereits anlässlich des 20. Stiftungsfestes das Freundschaftsband getauscht wurde, ihr Überleben. Praktisch ein ganzes Chargenkabinett ist damals zur Albertina übergewechselt und hat so eine Erneuerung Albertinas gebracht und ein Fortbestehen ermöglicht. Dennoch gelang es nicht, die eigene Aktivitas genügend auszubauen, die Zahl der Aktivitas bewegte sich mehr oder weniger ständig unter 20 Mitglieder.

So kam es, dass es Mitte der 80er Jahre wieder soweit war, über Bestehen bzw. Auflösung der Verbindung zu diskutieren. Wieder wurde ein Arbeitskreis "Rettet die Albertina" eingesetzt, Gründe für die Schwierigkeiten wurden erörtert, aber diesmal kamen die Bemühungen zur Rettung von den Alberten selbst. Der Traungau war damals die einzige Verbindung, die als Unterstützung zwei Aktive für Chargentätigkeiten in der Albertina zur Verfügung stellte. Nach diesen eher trüben Erfahrungen der unterbliebenen Hilfeleistungen entwickelte die Aktivitas auf einmal einen so starken Willen des Weiterbestehens, dass es ihr auf einmal aus eigenen Kräften gelang die Verbindung neu aufblühen zu lassen und neue Mitglieder zu werben. Als Kontakt zu einigen MKV-Verbindungen aufgenommen wurde, vor allem zur K.Ö.St.V. Wolkenstein Liezen zu Admont und K.Ö.St.V. Lonsperch Deutschlandsberg, wurde die Basis für einen stetigen Aufschwung ab Ende der 1980er Jahre gelegt.

Anlässlich des 30. Stiftungsfestes im Wintersemester 1991/1992 wurde auch der Bändertausch mit e.s.v. K.Ö.St.V. Traungau Graz beschlossen, mit dem man nun schon einige Jahre Tür an Tür lebte. Die Albertina erlebte einen immer weiterführenden Aufschwung und verrichtete so in den Jahren 1993/94 und 1997/98 zwei Mal einen viel gelobten Vorsitz im GCV. Die Doppelmitgliedschaft einiger Alberten bei der K.Ö.M.L. Alpinia Styria Graz und der gute Kontakt zu den Mittelschülern brachte Albertina im Wintersemester 1994/95 den dritten Freundschaftsbandtausch.

Die Albertina hatte in den letzten Jahrzehnten gelernt hochkarätige, wie auch gesellige Veranstaltungen zu organisieren, jedoch hatten die einzelnen Bemühungen der Chargenkabinette und GCV-Teams immer noch nicht den erwünschten Erfolg bei der Keilung neuer Mitglieder. Die Fuxenzahlen blieben immer eher gering. Trotzdem hatte Albertina die Kapazitäten auch im Jahr des 40. Stiftungsfestes wieder ein erfolgreiches und innovatives GCV-Team zu stellen.

In etwa um das Jahr 2005 änderte sich der Zulauf zur Albertina auf einmal. Der Großteil der neuen Alberten kam aus Kärnten und so verwundert es auch nicht, dass im Wintersemester 2008/09 ein Freundschaftsband mit e.v. K.Ö.a.V. Carinthia Klagenfurt getauscht wurde. Ausgiebige Keiltätigkeiten brachten auf einmal einen Fuxenstall von zehn und mehr Fuxen zustande. Ausgezeichnete Semesterprogramme mit großen Veranstaltungen haben sicherlich auch zu einem Aufleben beigetragen. Anstatt sich aber auf diesen kurzfristigen Erfolgen auszuruhen oder die Energien wieder in andere Projekte zu stecken wurde weiter auf qualitative Veranstaltungen gesetzt. Um die Keilung nicht einbrechen zu lassen und Kapazitäten für weitere Chargenkabinette zu haben, wurde der GCV des Jahres 2009/10 gemeinsam mit unserer Freundschaftsverbindung, dem Traungau, gestellt.

Der Fuxenstall betrug von nun an ständig um die zehn Mitglieder und es kam durch die Arbeit für das 50. Stifungsfest zusätzlich neuer Wind in die Reihen der Alberten. Zwei Jahre lang kümmerten sich Aktive und Alte Herren gemeinsam um die Vorbereitung des ersten großen Geburtstages in der eigenen Verbindungsgeschichte, welcher durch die mittlerweile bekannte Präzision und Freundlichkeit der Alberten zu einem unvergesslichen Ereignis für alle Teilnehmer wurde.

Der befürchtete Abstieg nach den großen Anstrengungen für das 50. Stiftungsfest trat Gott sei Dank nicht ein und die Albertina schaffte es weiterhin die Qualität ihrer Veranstaltungen auf hohem Niveau zu halten, so dass im darauffolgenden Jahr sogar der ÖCV- und GCV-Übergabekommers auf Wunsch des neuen Vorortes e.v. K.Ö.H.V. Rugia Wien beim 51. Stiftungsfest der Albertina statt fand.

Mittlerweile hat sich die Anzahl und der Tatendrang der Aktiven so erhöht, dass Albertina im WS 2012/13 mit einem siebenköpfigen Team und einem ambitionierten Programm zum GCV kandidierte, die Wahl allerdings verlor, jedoch die Zustimmung für den darauffolgenden GCV erhielt.

Die Alberten haben in den letzten Jahren ihren Stand innerhalb des GCV gefestigt, sind ihren Kinderschuhen entwachsen und sind bereit ihren Beitrag in GCV und ÖCV für selben zu leisten.

Quelle: Festschrift – 50.Stiftungsfest K.Ö.A.V. Albertina Graz (ISBN: 978-3-200-02412-0)